Etwas zum Träumen...
Auf zu kreisen hörte die Erde, steif wurden die Menschen
Und erfroren wie die Gewässer der Meere,
Tränen der Freude fielen nicht mehr vom Himmel,
Die Tage ähnelten stehengebliebenen Uhren
Und ihre Bestimmung verloren die zur Fruchtbarkeit erkorenen Becken.
Da wehte von Osten her ein Wind,
Schwer und vollgesogen vom Duft des Jasminstrauchs.
Er wirbelte und fächelte und tanzte um uns herum...
Oh, du Jasminblüte und deine erdhafte Harmonie -
deine Hüften kreisen und es vibrieren deine Schultern
Und deine Hände erinnern an die Flügel von Vögeln -
Die erfrorenen Sterne und die erstorbene Sonne umringen dich,
Um deine Bewegung zu bewundern.
Tanze und drehe dich - von einem Stern zum andern -
Von meinen Augäpfeln bis hin zur Sonne.
Der Nabel deines mit Blumen umkränzten Bauches ist das Zentrum des Universums
Bei jeder Drehung fliegen Blütenblätter ins All
Und verwandeln sich in Kinder,
Deren jauchzende Schreie den Himmel erfüllen.
Trunken um deinen Bauch gaukeln die Sterne,
Der Mond lacht und tanzt auf den Bergen
Und deine Haare wehen im würzigen Wind.
Das Herz der Welt beginnt wieder zu schlagen;
Denn die von deiner Stirn herabfallenden Schweißtropfen
Düngen die Wiesen, die Felder und die Wälder.
Neu geboren wird meine tote Seele aus deinem Bauch,
Der nicht ermüdet in seiner Bewegung.
Oh, diese Freude über meine Geburt!
Dein Tanz und ich, der Himmel, die Sonne, der Mond und der Wind,
Das Meer, die Erde, die Blumen und die Propheten -
Wir alle sind eins geworden.
Jedesmal, wenn deine Hüften schwingen, verlängert sich mein Leben um tausend Jahre.
Jedesmal, wenn deine Hüften kreisen, verlängert sich das Leben der Menschen um tausend Jahre.
Jedesmal, wenn deine Hüften pendeln, tanzen tausend Kinder mit dir den Reigen.
Meine beiden Augen werden erfüllt durch das Licht deiner fröhlichen Blicke.
Die Schläge meines Herzens und das Zittern deiner Hüften umarmen sich.
Tanze, oh tanze, du Unvergängliche, du ewig junge Frau,
Denn dem Licht der Nacht gleichen deine Augen
Und in deinen Haaren spielt der Wind des Ostens,
Die Früchte des Himmels pflücken deine hoch erhobenen Arme.
Aus deinem Bauch wurde ich geboren und meine Seele erwachte,
um wiedergeboren zu werden!
(unbekannter arabischer Dichter)
aus: "Das Bauchtanzbuch", Dietlinde Karkutli